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Durga - Die Furchtlose

Über Mut, Präsenz und die Kraft, die bleibt

In Indien, besonders in den goldenen Herbsttagen, verändert sich die Luft. Sie ist schwer von Gewürzen, Trommeln und einer ersten, leisen Aufregung. Denn in dieser Zeit ist Navaratri, die Zeit der neun Nächte der Göttin. Und im Zentrum dieses bunten Festes steht Durga.

Auf den Altären sieht sie gewaltig aus, eine Frau auf einem Löwen, zehn Arme und in jeder Hand eine Waffe, ein Werkzeug oder ein Symbol der Kraft. Und doch liegt in ihrem Blick Ruhe, die fast überirdisch wirk.

Wer sie kennt weiß, dass Durga keine 'entrückte' Göttin ist. Sie ist Ma, die Mutter. Diejenige, die dich aufrichtet, wenn du fällst. Die dich erinnert, dass Liebe keine Schwäche ist. Und dass Schutz eine Form von Zärtlichkeit sein kann.

Die Kraft, die aus der Mitte kommt

Die Legenden erzählen, dass Durga geboren wurde, als die Welt ins Wanken geriet. Ein Asura, ein Schattenwesen, namens Mahishasura, hatte das Gleichgewicht zerstört. Er war halb Mensch und halb Büffel und keiner der Götter konnte ihn besiegen.

Deswegen vereinten alle Götter ihr Licht, ihre Energie und Hoffnung und aus dieser Verschmelzung trat Durga hervor. Nicht als Kriegerin aus Wut, sondern als Verkörperung der Klarheit. Ihr Kampf war nie ein Kampf gegen das Dunkle, sondern für das Leben. Für das was heilt und bleibt.

Das ist ihre eigentliche Botschaft an uns: Mut entsteht nicht, wenn die Angst verschwindet. Er entsteht wenn wir handeln, obwohl sie da ist.

Durga ist das leise 'nein', das du sprichst, wenn etwas gegen deine Überzeugungen geschieht. Sie ist das ruhige 'ich bleibe', wenn du dich eigentlich verstecken willst. Sie ist Shakti, pure schöpferische Kraft, die aus deiner Mitte fließt, nicht daraus, dass du dich anstrengst.

Ein Fest wie nach Hause kommen

In Bengalen feiert man ihre Rückkehr wie den Besuch einer geliebten Tochter, die aus den Bergen des Himalaya heimkehrt. Für ein paar Tage verwandeln sich ganze Städte. Man baut überall kleine Tempel aus Bambus und Stoff, dekoriert die Straßen und überall leuchten Diyas, kleine Lichter. Die Menschen tanzen, lachen und essen zusammen. Und in dieser Zeit verschwimmen alle Grenzen, Reiche, Arme, Junge, Alte - alle verneigen sich vor derselben Kraft.

Das ist Durga. Nicht über den Dingen, sondern mitten im Leben.

Diese Feste sind kein asketischer Rückzug, sie sind ein Liebesbekenntnis an das Leben selbst, an das Menschsein. Man feiert das Licht, das wiederkehrt und die Freude, die alles durchdringt.

Mit der Gewissheit, dass das Göttliche weiblich ist.

Was Durga uns zuflüstert

Vielleicht ist das die schönste Lektion die sie uns schenkt: Mut hat nichts mit Härte zu tun. Schau ihr ins Gesicht, sie kämpft, bleibt dabei zentriert und wirkt fast meditativ.

Sie lehrt uns, dass wir handeln können, ohne unser Herz zu verlieren. Ihre vielen Arme erinnern uns daran, dass wir viele Rollen tragen und viele Kräfte in uns vereinen. Wir müssen sie nicht alle gleichzeitig halten, aber wir dürfen uns ihrer bewusst sein. Am Ende von Navaratri werden die Lehmstatuen der Göttin ins Wasser getragen. Man sieht, wie sie langsam versinken, wie die Form vergeht im Wasser des Flusses.

Und in diesem Moment wird klar, Durga war nie in der Statue. Sie ist immer in uns.


Hast du Lust auf ein kleines Online-Retreat? Dann findest du alles Infos unter dem Link. 

Vom 21.12. bis zum 1.1. kannst du mit den Göttinnen durch die Nächte reisen. Und auch wenn es schon angefangen hat, kannst du noch mitmachen. Du gehst einfach ab deinem 'Start-Tag' durch die Nächte. Es kommt nicht auf das Datum an.