Pārvatī ist wie das erste Licht nach einem Sturm, weich, warm und mit der Erde verbunden. Sie steht für das Herz, das sich wieder öffnet, für Vertrauen, Beziehung und das Ja zum Leben und zur Liebe in alle ihren Formen. Ihr Element ist die Erde und ihr Herz schlägt mit ihr im Einklang.
Bevor wir in die Tiefe ihrer Stille eintauchen, dürfen wir sie ein wenig kennenlernen. Pārvatī, die ‚Tochter der Berge‘*, ist in der indischen Mythologie eine Manifestation von Shakti, der universellen Urkraft. Als Pārvatī verkörpert sie sich in der mütterlichen Form, zugleich ausgestattet mit tiefer Entschlossenheit. Kali ist die Zerstörerin der Illusionen, aber Pārvatī bewahrt die Essenz. Sie trägt viele Namen und Gesichter, das darf uns nicht verwirren, denn es geht ihr um Einheit.
Gemeinsam mit ihrem Gefährten Śiva symbolisiert sie das perfekte Gleichgewicht zwischen Bewusstsein und Energie, zwischen Stille und Bewegung. Die Tochter der Berge zeigt uns, dass wir nicht durch die Flucht aus der Welt, sondern in der Welt, als Mensch, das Göttliche finden. Es durchdringt unsere Körper, unser Leben, unsere Beziehungen und unseren Alltag – dort dürfen wir danach Ausschau halten.
Nach Kalis Feuer kommt die Stille. Die Luft ist klar, etwas atmet auf, nicht triumphierend, sondern erleichtert. Hier begegnet dir Pārvatī, die Liebende, die Geduldige, diejenige die bleibt. In den alten Geschichten wartete Pārvatī viele Jahre in Meditation, bis Śiva – das Bewusstsein selbst – ihr begegnete. Nicht, weil sie ihn erobern wollte, viel mehr, weil sie sich selbst erkannt hatte. Ihr Tapas, ihr innere Feuer, war nicht zerstörerisch, es hat sie verwandelt. Sie saß in der Kälte der Berge und wurde selbst zur Wärme.
Pārvatī steht für Bhakti, die Hingabe. Sie vertraut dem Leben und lässt sich ganz darauf ein, auf sich, auf das Leben und auf alles was ihr begegnet.
Wir leben in einer Welt, die Stärke oft mit Härte verwechselt. Doch Pārvatī zeigt uns, dass Sanftheit keine Schwäche ist, im Gegenteil, sie ist die höchste Form von Mut. Es braucht weit weniger Kraft, eine Mauer zu bauen, also sie Stein für Stein abzutragen und das weiche Herz darunter zu zeigen.
Hingabe bedeutet, dein Herz nicht zu verschließen, auch wenn du verletzt wurdest. Es bedeutet zu lieben, ohne zu besitzen. Zu fühlen, ohne zu fliehen. Diese Göttin lehrt dich, dass Verbindung nur dann möglich ist, wenn du dich selbst nicht verlierst. Sie ist der Fels, der nicht bricht, wenn die Wellen der Gefühle gehen ihn schlagen.
Manchmal ist es leichter, stark zu sein, als weich. Leichter, unabhängig zu wirken, als sich berühren zu lassen. Doch jedes Mal, wenn du dein Herz öffnest, trotz Angst und vergangener Enttäuschung, entsteht etwas Heiliges.
Pārvatī sagt: ‚Bleib da, wo du am liebsten fliehen würdest, dort wartet das Leben.‘
Hingabe ist kein ‚tun‘, sie ist ein Sein. Sie ist das Vertrauen, dass deine Verletzlichkeit deine größte Schutzmacht ist.
Liebe ist kein Versprechen, sondern eher eine Haltung – ‚Ich bin hier, auch wenn es unvollkommen ist.‘
Gib dich heute dem Leben selbst hin. Lass dich berühren, führen und lieben. Hingabe ist das Vertrauen, dass du gehalten bist, immer und auch genau dann, wenn du dich öffnest.
Diese Göttin ist die Meisterin der Geduld. Wo in deinem Leben versuchst du vielleicht gerade, eine Blume mit Gewalt zum Blühen zu bringen? Kannst du wie Pārvatī am Berg sitzen und darauf vertrauen, dass das Licht zu dir kommt, wenn du bereit bist?
*Ihr Vater war ein mächtiger König im Himalaya und von den Göttern mit bedeutenden Aufgaben beauftragt, um die Welt im Gleichgewicht zu halten.